Mittwoch, 23. Dezember 2015

Ein besserer Blick auf die Welt

Eigentlich ist Kartographie ein Thema, das die wenigsten wirklich vom Hocker haut. Es gibt jedoch einen ziemlich interessanten Sachverhalt, von dem die wenigsten etwas wissen. Gleichzeitig ist der Punkt aber so wichtig, dass er unbedingt zur Allgemeinbildung gehören sollte:
Die meisten von uns machen sich seit Schultagen ein falsches Bild von den Größenverhältnissen der Welt und insbesondere von Afrika.


Die Problematik liegt ursächlich darin, die dreidimensionale Weltkugel auf eine zweidimensionale Weltkarte zu übertagen. Das Problem löste als einer der ersten der belgische Kartograf Gerhard Mercator im Jahr 1569.  Seine bis heute verwendete Mercator Projektion zeigt die Welt winkeltreu und bietet dadurch den großen Vorteil, insbesondere Seerouten als gerade Linien darstellen zu können.

Leider verzerrt die Mercator Darstellung die Größenverhältnisse massiv, weil eben winkeltreu und nicht flächentreu dargestellt wird. Je weiter ein Gebiet nach Norden oder Süden vom Äquator entfernt ist, um so größer wird dessen Fläche fälschlicherweise dargestellt - Beispiele für Verzerrungen der Mercator Projektion:
  • Grönland ist tatsächlich ca. 8 mal kleiner als Südamerika, wirkt aber optisch gleich groß
  • Afrika ist eigentlich so groß, dass darin ganz China, Indien, USA, Japan und der größte Teil von Europa Platz hätten.
  • Australien wirkt etwa so groß wie Europa, ist aber flächenmäßig deutlich größer
  • Die Größe des Südpols ist am meisten verzerrt, da dieser am weitesten vom Äquator entfernt ist. Oft wird deshalb der Südpol gar nicht erst dargestellt.


Mercator-Projektion, von 1569

Aus den oben genannten Gründen ist nachvollziehbar, dass ein besseres Modell her musste, jedoch hat dieses Korrektur über 400 Jahre gebraucht. Erst 1974 veröffentlichte der Historiker Arno Peters ein Kartenmodell, das die Größenverhältnisse richtig(er) darstellt, die Peters-Projektion.
Vergleicht man die beiden Karten oben und unten fällt sofort auf, dass die südlichen Kontinente deutlich größer sind, als wir sie vielleicht vor unserem inneren Auge haben - unserer Schulbildung sei dank. 

Peters-Projektion, von 1974

Leider hat sich das neue Kartenmodell (noch) nicht gegen das von Peters als zu "eurozentrisch" abgelehnte Mercator Modell durchsetzen können. Für die politische und wirtschaftliche Bedeutung Afrikas, Südamerikas und Australiens ein Fehler, der hoffentlich eines Tages korrigiert wird.

Das Thema ist hier nur am Rand angerissen. Wer tiefer einsteigen möchte, sollte den spannenden Artikel "The True Size of Africa" von Kai Krause lesen und die "Zeitzeichen" Sendung des WDR zum Todestag von Arno Peters anhören.


Bildquellenangabe:






"Globus" Afrika" - Dieter Schütz  / pixelio.de

"Peters-Projektion" und "Mercator-Projektion" sind Ausschnitte aus
Wikipedia: Kartennetzentwurf
- CC BY-SA 3.0
- File:Netzentwuerfe.png
- Hochgeladen von RokerHRO

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