Montag, 17. Februar 2014

Try a little ... Jazz

Manchmal passiert einem das, was man im Englischen ein "reframing" nennt, die plötzliche Annahme einer neuen Sichtweise. Mir ist das vor kurzem mit dem Thema Jazz passiert. In meinen Augen war Jazz eher elitäre Eigendarstellung selbstverliebter Musiker, als etwas, für das ich mich selbst begeistern konnte.

Beim Hören des Redefreiheit Podcasts von Radio Bremen zum Thema "Zeit" bin ich dann auf eine Sichtweise von Eugen Drewermann gestoßen. Jazz ist "die Vergegenwärtigung der Zeit in einem reinen Augenblick". Die Bedeutung dieses Satzes eröffnet sich einem vermutlich erst, wenn man das ganze Zitat liest, das ich unter den Videolinks wiedergebe.

Wer sich mehr mit dem Thema Jazz auseinander setzen möchte, findet bei Youtube eine großartige Auswahl exzellenter Aufnahmen. Hier nur einige, die mir persönlich (und meiner neuen Sichtweise ;-) sehr gut gefallen.

Giovanni Mirabassi / Les Chant des Partisans


Keith Jarrett - Ausschnitte aus dem Album "Rio"




Zitat von Eugen Drewermann aus dem Redefreiheit-Podcast zum Thema Zeit (Hörerfragen Teil 2, etwa bei Minute 24)
-------- schnipp ---------------------------
Jazz besteht darin zu improvisieren und ist darauf angewiesen, dass sie in der Zeit, "just in time", absolut konzentriert sind, auf sich selber. Sie beginnen ein Thema, das sie natürlich kennen und nun, in Referenz zu sich selber, entwickelt es sich. Das geht nur, wenn sie ganz und gar da sind, wenn kein verdammtes Handy sie bei den Hörern stört, wenn nicht die Beleuchtung sie irritiert, nicht ein Idiot dazwischen klatscht, weil es ihm gut gefällt. Oder, sie müssen all die Störungen vollkommen vergessen. Das ist im Übrigen nicht viel anders, als wie bei der freien Rede. Je mehr sie konzentriert sind, engt sich der Raum ein. Sie sehen die Leute nicht mehr, den Raum nicht mehr, es ist wie ein schwarzer Tunnel.

Sie sehen im Grunde gar nichts mehr. Das Licht kann so hell sein, wie es will. Sie sehen eigentlich nur noch sich selber oder gar nichts mehr. Und so, stelle ich mir vor, ist Jarrett bei seinem Jazzkonzert in Rio gewesen. Er war vollkommen da. Er hörte nichts mehr, weil er spielte und nur noch auf sich selber hörte. Die Thematik entwickelt sich aus sich selber. (...) Der Jazz ist so. Er ist die Vergegenwärtigung der Zeit in einem reinen Augenblick. Vorher ahnt man ein Thema, aber das erfüllt sich überhaupt erst, in dem es sich im Moment gestaltet. Es ist die reine Kreativität. Es gibt kein Programm, keine festgelegte Partitur. Es gibt nur die eigene Schwingung des Herzens und des Gefühls.
-------- schnapp ---------------------------



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