Sonntag, 27. April 2014

Schule 2.0 - Lernzeit und Übungszeit vertauscht

Die genialsten Ideen sind häufig die einfachsten - und diese verändern die Welt. Als Salman Khan, ein Finanzanalyst aus Boston, im Jahr 2004 damit begann seiner Cousine Mathenachhilfe in Form von YouTube Videos zu geben, hat er sicher nicht damit gerechnet, die vielleicht wichtigste Revolution des Schulsystems der letzten 100 Jahre zu starten.

Lehrer verbringen den Großteil ihrer knappen Zeit mit der Wissens-Erstvermittlung. Dabei stehen sie vorne an der Tafel und erläutern ein Thema, bis sie den Eindruck haben, dass der überwiegende Teil der Schüler das Thema verstanden hat. Anders ist es bei vollen Lehrplänen und begrenzten zeitlichen Resourcen auch nicht möglich. Es handelt sich also überwiegend um eine "1 zu n" Kommunikation (ein Lehrer, viele Schüler).

Die schwachen Schüler bleiben dabei leider unwillkürlich auf der Strecke. Die in diesen Fällen notwendige individuelle Wissensvermittlung (via "1 zu 1" Kommunikation, also ein Lehre und ein Schüler) fällt dann häufig den Eltern, beziehungsweise Nachhilfelehrern zu. Nicht umsonst wächst der Nachhilfemarkt zunehmend. Das auf zwölf Jahre verkürzte Abitur verschlimmert die Situation zusätzlich.

Nun kommt Salman Khan ins Spiel - hier ist übrigens nicht der gleichnamige Indische Schauspieler gemeint. Khan ist so etwas wie ein pädagogisches Naturtalent und vermittelt in mittlerweile tausenden von aufeinander aufbauenden YouTube Videos schulisches Grundlagenwissen in allen relevanten Themengebieten. Damit noch nicht genug, gibt es auf seiner Webseite www.khanacademy.org  (stark abgespeckt auch auf Deutsch verfügbar) passend zu den Videos Übungsaufgaben für Schüler und Module für Lehrer, um die Ergebnisse der Schülerarbeit zu überprüfen.

Was hierdurch ermöglicht wird, ist die Umkehrung der oben beschriebenen Kommunikationssituation beim Lernvorgang! Die Nutzung der Zeit im Klassenraum und die Nutzung der Zeit für Hausaufgaben wird vertauscht. Schüler können ein Thema erstmalig zu Hause am Computer oder am Pad lernen (ohne Lehrer) und kommen zur Schule, um unter Lehreraufsicht zu üben. Individuelle Förderung wird hierdurch vereinfacht, da die Lehrer mehr Zeit für die wertvolle 1 zu 1 Kommunikation erhalten.

Es gibt erste, erfolgreiche Tests an einzelnen Schulen in den USA,  die KhanAcademy Webseite teilweise in den Unterricht einzubauen und wenn man die Google News-Suche bemüht, kann man sogar eine zunehmende weltweite Verbreitung der Methode erkennen.

Vielleicht erleben wir hier also wirklich den Anfang einer ganz neuen Art von Schule. Übrigens ist dank großzügiger Spenden, z.B. von Google und Microsoft, die Nutzung des Lernsystems sowohl für Schüler, als auch für Lehrer und ganz Schulen komplett kostenlos!





Bildquellenangabe:Anne Garti  / pixelio.de
Video / youtube.de

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