Sonntag, 8. Februar 2015

Chromebox - vielleicht das PC-Konzept der Zukunft

Warum ich glaube, dass uns ein Wandel in der heute gängigen PC-Infrastruktur bevor steht, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.

Vor ein paar Tagen bin ich durch Zufall auf die relativ neuen Chromeboxen gestoßen. Dabei handelt es sich um Mini Desktop Computer, die wie auch die mittlerweile recht bekannten Chromebooks (Notebooks), mit dem Google Betriebssystem Chrome OS betrieben werden. Wer einen näheren Blick auf diese neue, besonders preiswerte Gerätekategorie wirft, wird feststellen, dass damit viele deutliche Vorteile verbunden sind...


HP Chromebox, es gibt noch Weitere
Die Chromebox ist ein Internet Thin Client, also ein sehr abgespeckter Rechner, der eigentlich nur dafür da ist, komfortabel ins Internet zu kommen, um dort alle üblichen PC Aufgaben (Büroarbeit, Surfen, Spielen) zu erledigen. Dabei steht die Chromebox quasi ständig in Verbindung mit Google, um Wartung- und Datensicherung zu gewährleisten.

Der Einfachheit halber führe ich die weiteren Besonderheiten, die die Chromebox mit sich bringt, als Stichpunkteliste auf. Weiter unten gibt es auch noch ein Liste der bisherigen Modelle.
  • Schnelles Booten
    Rechnerstart in unter 8 Sekunden - noch Fragen?
  • Familienfreundlich - Multi User
    Alle Familienmitglieder arbeiten mit dem selben Gerät, haben aber durch ihre Loginkennung unterschiedliche Desktops (Programme "installiert"). Der Userwechsel dauert natürlich auch nur Sekunden. 
  • Virenschutz unnötig
    Da keine (bzw. kaum) Programme direkt auf dem der Chromebox installiert sind, können sich Viren, Trojaner und andere Schädlinge nicht so einfach einnisten. Wenn doch, wird sich Google darum kümmern. 
  • Wartung unnötig
    Jeder PC User weiß aus leidvoller Erfahrung, dass man seine Maschine (egal ob Windows oder Macintosh) spätestens alle zwei Jahre neu bespielen sollte, da die Systemgeschwindigkeit sonst sehr zu wünschen übrig lässt. Ein Neubespielen der Chromebox ist unnötig, da sie sich in Sekunden auf ihren Werkszustand zurückbringen lässt. Außerdem werden ja kaum Programme installiert, die das Betriebssystem durcheinander bringen könnten, sondern nur Links auf Webseiten gesetzt.
  • Abo-Modell
    Bei jedem kostenlosen Google-Konto (das man zwangsläufig für die Chromebox benötigt) ist immer auch eine große Menge kostenloser Online Speicherplatz dabei. Wer mehr benötigt kann diesen bei Google für eine monatliche Gebühr mieten.
    Alternativ kann man aber einfach auch eine externe USB-Festplatte an die Chromebox anschließen und darauf ohne Abo große Mengen an Videos und Bildern ablegen.
  • Software für Büro und PrivatGoogle betreibt nicht nur den normalen Chrome Webstore, sondern auch einen speziellen für Büroanwendungen. Außerdem bietet Google ein Bundle an, um die Chromebox als professionelles Bildtelefon-Konferenzsystem zu nutzen.
  • Ubuntu Installation möglich
    Für Frickler und Über-den-Tellerrand-Schauer ist es relativ einfach ein Ubuntu-Linux (namens Chrubuntu) auf einer Chromebox zu installieren (sogar im Parallelbetrieb) und es ist noch einfacher dies wieder rückgängig zu machen.
  • Barrierefreiheit
    Jedes Chrome-Gerät bietet von Haus aus eine saubere Integration von Blinden- und Sehbehindertenhilfsmitteln wie Großschreibung, Textvorlesen, etc. (Strg Alt z)
  • ZubehörAn die Chromebox anschließen, kann man...
    • jede USB Maus und Tastatur. Wer sowieso eine neue Tastatur dafür anschaffen will, sollte sich nach solchen mit speziellem Chrome OS Tastenlayout umschauen.
    • jeden Monitor mit digitalem oder HDMI Anschluss. Auch der Parallelbetrieb von 2 Monitoren bzw. Fernseher plus Monitor ist möglich.
    • USB Sticks, USB Festplatten, Speicherkarten, Lautsprecherboxen und Mikrofon
    • leider nur Drucker, mit denen Google Cloud Print möglich ist (siehe Liste).
    • leider noch keine Scanner. 
Nachteile
  • Datenschutz
    Man muss sich voll darüber im klaren sein, dass alle Daten die man bei Google ablegt (Google Drive), immer auch Google zu Gesicht bekommt! Anders ist dies natürlich bei verschlüsselten Verbindungen zu anderen Webseiten, wie z.B. beim Onlinebanking. Da stellt Google zwar die Hardware, hat aber keinen Zugriff auf die verschlüsselten Daten.
  • Eingeschränkte Software-Auswahl
    Die Softwareauswahl auf einer Chromebox ist deutlich kleiner als auf einem PC. Oft ist auch der Funktionsumfang innerhalb einer Software deutlich geringer. Trotzdem gibt es Lösungen, um z.B. Fotos zu bearbeiten, Videos zu schneiden und sogar mit dem Original Microsoft Office online zu arbeiten.
  • Nur online sinnvoll
    Einige wenige Anwendungen arbeiten auch offline, jedoch macht die Chromebox nur dann wirklich Sinn, wenn sie immer mit dem Internet verbunden ist. Eine DSL Flatrate ist also Mindestanforderung.


Ausblick

Für mich ist die Chromebox ein Konzept, das sich durchsetzen könnte. Im Vergleich zu den bereits weiter verbreiteten Chromebooks ist sie deutlich preiswerter, da es sich tatsächlich nur um eine kleine Plastikkiste handelt - ohne Monitor und Tastatur. Mittelfristig sollte es Chromeboxen für unter 100 Euro geben (aktuell ca. 180 Euro).

Ich habe aktuell einen normalen PC und daneben eine Chromebox. Eine Menge Online-Sachen wie Banking, Aktienhandel, Shopping, kurze Briefe, E-Mail und das Surfen im Internet mache ich mit meiner Chromebox - vor allem weil es so sicher ist. Keine Sorgen um Viren, Trojaner oder andere Schadsoftware und keine Wartungsaufgaben wie Defragmentierung, Virenscan oder Software-Updates sind notwendig. Mein Windowssystem benutze ich eigentlich nur noch offline, für Foto- und Videobearbeitung und Software-Entwicklung. Also, anstatt als Alternative verwende ich das Beste aus beiden Welten. Ein Chromebox ist so billig, jeder sollte eine haben.


Derzeitige Modelle
(Ohne Anspruch auf Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualistät)

HerstellerBezeichnungRAMHDD/SDDProzessorPreis Jan 2015
AcerCXI 2957U2 GB16 GBIntel Celeron 1.4 GHz 219,00 €
AsusM056U4 GB16 GBIntel i3 1.7 GHz 4010U419,00 €
AsusM060U2 GB16 GBIntel Celeron 1.4 GHz 2955U235,74 €
AsusM076U4 GB16 GBIntel Celeron 1.4 GHz 2955U249,00 €
AsusM077U4 GB16 GBIntel Celeron 1.4 GHz 2955U199,00 €
AsusM085U8 GB16 GBIntel i7619,00 €
AsusM118U2 GB16 GBIntel Celeron 1.4 GHz 2955U186,90 €
HPCb1-020ng4 GB16 GBIntel Celeron 1.4 GHz 179,00 €
HPJ4C952 GB16 GBIntel Celeron 2995U179,00 €
AsusM013U2 GB16 GBIntel 235,74 €
AsusM067U2 GB16 GBIntel 249,00 €
DellChromebox4 GBIntel i3329,00 €
DellChromebox2 GBIntel Celeron179,00 €


Interessante Links



Bildquellenangaben:
- Chrome OS Desktop, www.google.com
- HP Chromebox, www.hp.com

Kommentare:

  1. Sehr interessater Artikel. Wie ist es möglich die Chromebox neben dem PC zu betreiben, 2 Monitore , Tastaturen u.s.w. will ich nicht.
    MfG
    Henry

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    1. Dafür gibt es Hardwareumschalter, die aber nicht gerade preiswert sind, wenn z.B. die Chromebox nur über DVI verfügt und der PC nur über VGA (das sind zwei verschiedene Monitoranschlüsse).

      Alternative:
      Ich würde mittlerweile jedem für den Einstieg ein gebrauchtes Chromebook empfehlen. Diese findet man auch gebraucht in gutem Zustand und für einen guten Preis (schon ab etwa 100 Euro). Da die Chromegeräte keine Festplatte haben, gibt es auch keinen wesentlichen Verschleiß. Aus meiner Sicht kann man deshalb auch gebraucht zugreifen.

      Ausblick August 2016:
      Ich habe mittlerweile 4 (gebrauchte) Chromebooks für Freunde und Familie gekauft. Bisher sind alle sehr zufrieden und glücklich mit Viren, Malware & Co. nichts mehr zu tun zu haben. Einige benötigen den Windows PC sogar gar nicht mehr.

      Noch dieses Jahr sollen auf neueren Chromebooks durch ein Google Update sämtliche Android Apps laufen können. Das bestärkt mich in meiner Prognose, dass Windows und Mac Notebooks (und auch Rechner) in Zukunft für den Hausgebrauch kaum noch eine Rolle spielen ... warten wir's ab.

      Nachtrag:
      Ein Gefühl dafür, wie es ist mit Chromebook-Anwendungen zu arbeiten, gibt meine eigene Chromebook- Startseite:
      http://netzstart.blogspot.de/

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  2. Hi Walid,
    ein Chromebook besitze ich schon eit 3 Jahren und bin sehr zufrieden damit. Leider bin ich nach wie vor auf den Windows PC angewiesen (Rechnungsprogramm Scanner DHL Drucker ). Für alle anderen Anwendungen würde ich gern die Chromebox nutzen. Die Umschaltung zwischen 2 verschiedenen Betriebssystemen soll aber Probleme bereiten ?

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    1. Sorry, war in Urlaub und antworte deshalb erst jetzt. Die von dir genannten Probleme bei der Umschaltung sind mir noch nicht bekannt und ehrlich gesagt auch schwer nachvollziehbar, da das Betriebssystem für einen Hardwareumschalter eigentlich keine Rolle spielen dürfte.

      Geh doch mal in einen Elektro-Fachmarkt und lass dich zum Thema "PC-Maus-Tastatur-Umschalter" beraten. Je nach der von dir gewählten Chromebox muss dann noch ggf. zusätzlich ein "DisplayPort to VGA Adapter" angeschafft werden. Zur Not nimmst du deine Chromebox mit in den Fachmarkt und lässt es dir vorführen.

      Toi Toi Toi ... Walid

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