Sonntag, 11. November 2012

Try a little ... Tai Chi

Tai Chi ist eine jahrhundertealte, meditative Faustkampftechnik aus China, bei der Körper und Geist gleichermaßen trainiert werden. Man sagt ihr sogar nach Krankheiten zu heilen und das Leben zu verlängern.

Im folgenden Text erkläre ich einige wichtige Grundlagen und zeige Beispiele anhand von beeindruckenden Trainingsvideos.

Es gibt vier Tai Chi Stile (Chen, Yang, Wu & Sun) und innerhalb dieser Stile verschiedene Choreographien, die man auch "Formen" nennt. Neben den Faustkampf-Formen gibt es auch solche mit Waffen, wie z.B. Speer, Schwert oder Fächer. Ich selbst erlerne übrigens die unten vorgestellten beiden Formen und kann von folgenden Effekten berichten:

  • es wirkt auch bei Anfängern meditativ und entspannend
  • mit dem Trainingsfortschritt wirkt es sich auch auf Körperhaltung und Atmung im Alltag aus
  • je nach Trainingstiefe ist es durchaus anstrengend und man kommt ins Schwitzen

Tai Chi-Interessierten aus Bonn empfehle ich die Trainerin Ute Clausius und ihre Schule www.bonner-seminare.de. Nun aber weiter zu den Formen.

Bevor ich auf einzelne Tai Chi Elemente zu sprechen komme, möchte ich Euch die 45-minütige Dokumentation "Tai Chi" vom ZDF empfehlen. Hier bekommt ihr nicht nur einen guten Überblick über die geografischen und philosophischen Quellen der inneren Kampfkünste, sondern könnt euch auch ein Bild von der Schönheit der Bewegungsabläufe und den gesundheitlichen Aspekten machen.

Die meisten Tai Chi Schulen fangen mit der populärsten, der Peking Form an, die zum Yang Stil gehört und aus 24 Figuren besteht. Mao Zedong hatte - vermutlich aus Angst vor zu gut ausgebildeten Guerillas - die inneren Kampfkünste verboten, ließ dann jedoch 1956 die Pekingform entwickeln und verbreiten, da er sonst negative Auswirkungen auf die Volksgesundheit befürchtete. Die Pekingform ist einfach zu erlernen und durch ihre fließenden Bewegungen bis ins hohe Alter zu praktizieren. Noch ein Schönes Video mit Nahaufnahme dieser Form gibt es bei Youtube.


Chen ist die älteste Tai Chi Form, die im sechszehnten Jahrhundert von der Chen Familie im Dorf Chenjiagou entwickelt wurde. Von dieser Familie leiten sich durch verschiedene Familienzweige die drei weiteren bekannten Tai Chi Schulen ab, nämlich die Yang-, die Wu- und die Sun- Schule (siehe hierzu auch Stammbaum des Tai Chi). Die rechts vorgestellte Chen- Form besteht aus 38 Figuren. Man erkennt sofort, dass diese Form durch die explosiven Bewegungen sehr viel dynamischer und sportlicher ist, als die oben dargestellte Yang Form. Es gibt noch ein gutes alternatives Video dieser Form.

Tai Chi wird eigentlich ohne Körperkontakt praktiziert. Eine spannende Ausnahme bildet das so genannte "Pushing Hands", bei dem jeder der beiden Kontrahenten versucht, den anderen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Es geht in der traditionellen Variante nicht wirklich darum, den anderen hinzuwerfen. Beide spüren, wenn der eine den anderen aus dem Gleichgewicht bringt und der Gewinner nimmt dann sofort die eigene Kraft zurück. Bei moderneren Varianten, bis hin zum "Streetfight", wird dagegen schonmal gerne einer auf die Matte gelegt.

Apropos "auf die Matte legen". Fajin bezeichnet im Tai Chi die Fähigkeit, explosionsartig Energie auf den Gegner zu übertragen. Ein Teilnehmer, der auf diese Weise von einem Meister zu Boden geworfen wurde, beschreibt es auf Youtube so: "Das Gefühl ist ein bisschen, als wäre man auf einem schmalen Ast und man kann das Gleichgewicht nicht mehr halten, obwohl man die ganze Zeit auf festem Boden steht." (Quelle: akafreddie). Fajin ist vermutlich die höchste Stufe des Tai Chi-Könnens und wird nicht von vielen Meistern beherrscht. Es ist darum in der Praxis leider selten zu sehen.


Zum Schluss noch ein kleines Video, dass ganz besonders die wunderschöne Esthetik des Tai Chi hervorhebt. "Hommage an Tai Chi und seine Meister".


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Bildquellenangabe © :Anna  / pixelio.de
Videos / youtube.de