Sonntag, 9. September 2012

MP3 Songs - gemafrei, legal & auch kommerziell kostenlos nutzbar

Wie man sein Café, Restaurant oder Hotel mit freier Musik aufwertet (gleich mal probehören)

Derzeit wird viel über die Erhöhung bei den Veranstaltungstarifen der Gema ab dem 1.4.2013 diskutiert. Viele Clubs und Diskotheken stehen angeblich vor dem Aus und einige Großveranstaltungen wären gar nicht mehr finanzierbar. Ob diese Vorhersagen so zutreffen, kann ich nicht beurteilen, jedoch lässt diese Preisanpassung einige interessante Schlüsse zu. Außerdem gibt es Alternativen zur Gema- Musik, die ich kurz vorstellen möchte.

Ist- Situation: die Anpassung der Gema Tarife: 
  • eine Tanzveranstaltung mit einem Eintrittspreis von 3 Euro und 300 Besuchern hat den Veranstalter bisher 192,80 Euro gekostet. Ab dem 1.4.2013 sind es dann nur noch 90 Euro
  • für eine Gala-Veranstaltung mit einem Eintrittspreis von 60 Euro und 1500 Besuchern, waren es bisher 1470,70 Euro,- demnächst werden es 9000 Euro sein. (Quelle: Spiegel-Online)
Kleine Veranstaltungen werden also ab 2013 günstiger, große werden dafür teurer und ich glaube, dass neben der besseren Akzeptanz der Gema bei Kleinveranstaltern ein wichtiger Grund dafür in der zunehmenden Verbreitung Gema-freier Musik liegt. Auf Klein- und Kleinst-Veranstaltungen, sowie in der Gastronomie lässt sich das Experiment "Gema-freie" Musik viel einfacher ausprobieren und die o.g. Preisanpassungen sind sicher u.a. auch ein Versuch solchen Experimenten entgegenzuwirken.

Immer mehr Musikschaffende verwerten ihre Werke selbst, also ohne Beteiligung der Gema. Wer bei Ebay, Amazon, Google und Co. nach Gema-freier Musik sucht wird schnell fündig, jedoch muss für die Kommerzielle Nutzung solcher Tonträger fast immer noch eine zusätzliche kostenpflichtige Vereinbarung mit dem Autor getroffen werden. Gema-freie Musik ist also noch lange nicht kosten-freie Musik. Noch dazu hat jeder Anbieter sein eigenes Lizenzmodell, welches individuell zu beachten ist.

Creative Commons (cc)
Mit Creative Commons (übersetzt: "Schöpferisches Gemeingut") kommt nun ein Lizenzmodell ins Spiel, das Klarheit über die kommerzielle Verwertbarkeit wirklich freier Musik schafft. Von den sechs cc-Lizenzen sind drei auch für kommerzielle Verwendung frei gegeben, nämlich cc-by, cc-by-nd und cc-by-sa. Wer im kommerziellen Rahmen ausschließlich Musik einsetzt, die unter eine dieser drei Lizenzen fällt, muss keine Gebühren an die Gema oder die Rechteinhaber entrichten und auch keine gesonderten Vereinbarungen treffen. Ein Beispiel sind die über 900 Musikstücke von Kevin MacLeod auf www.incompetech.com, die alle unter die cc-by Lizenz fallen.

Creative Commons ebnet aber auch den Weg für alternative Gebührenmodelle und neue Verwertungsgesellschaften.
So tritt die derzeit größte Datenbank für freie Musik im Internet, nämlich www.jamendo.de auch als eine Art Verwerter auf. Da Jamendo Sondervereinbarungen mit vielen cc-Künstlern geschlossen hat, stehen dann auch Musikstücke aus den 3 Lizenzmodellen zur Verfügung, die eigentlich nicht kommerziell genutzt werden dürfen, nämlich cc-by-nccc-by-nc-nd und cc-by-nc-sa. Die Künstler werden zu 50% an den Einnahmen bei Jamendo beteiligt. Da es bei weitem noch nicht so viele cc-Künstler gibt (im Vergleich zur Anzahl der Gema-Künstler) kann dies außer dem Zugewinn an Popularität auch finanziell für die Künstler lohnend sein. Hierzu liegen mir aber defacto keine Zahlen vor.

Rechenbeispiel für Gaststättenbetreiber
Wer z.B. Hintergrundmusik für seine Gaststätte unter 100qm benötigt, zahlt bei der Gema im Tarif "Hörfunkwiedergabe für Gaststätten, Hotels, Pensionen für die Wiedergabe von Hintergrundmusik" pro Jahr 256,38 Euro (Quelle Gema Preistabelle, dazu muss man noch der GEZ fürs Radio in Betriebsräumen rechnen). Bei Jamendo Pro erhält man ein vergleichbares Paket, nämlich das Streaming eines Musikkanals aus insgesamt 21 verschiedenen Stilrichtungen für 48 Euro im Jahr (plus MwSt).


Fazit - "try a little cc ..."
Mir ist vollkommen klar, dass das Publikum in Discotheken und auf normalen Tanzveranstaltungen nur Top Hits erwartet. Dafür ist und bleibt die Gema der richtige Ansprechpartner. In Bereichen, wo es aber eher um Hintergrundberieselung geht, sollte man sich einmal mit creative commons beschäftigen. Das birgt im Grunde für alle Beteiligten Vorteile:

  • für die Künstler
    Vor allem noch unbekannte Künstler haben die Chance durch creative commons schneller bekannt zu werden, da die Verbreitung der eigenen Musik ohne formale Hindernisse erfolgen kann und bisher erst relativ wenige auf diesen bereits rollenden Zug aufgesprungen sind. Natürlich muss sich der Künstler im Klaren sein, dass seine Musik zumindest für den privaten Gebrauch kostenlos weitergegeben wird, da ja gerade darin das Potential liegt, schnell bekannt zu werden.
  • für die Gaststättenbetreiber
    Gaststättenbetreiber sparen nicht nur Gebühren sondern geben auch noch unbekannten Künstlern die Chance Verbreitung zu finden. Darüber hinaus kann ein Hinweisschild am Eingang die Vorbeigehenden auch mal neugierig machen, das Lokal zu betreten.
  • für die Konsumenten
    Wenn der Gaststättenbetreiber weniger zahlt, sollten auch Eintrittspreise,  Getränkepreise etc. etwas niedriger ausfallen. Außerdem bekommt man frische neue Musik zu hören und lernt neue Künstler kennen und vielleicht auch schätzen.
  • für die Verwertungsgesellschaften
    Ich hoffe, dass dieser Artikel nicht so rüberkommt, als hätte ich etwas gegen die Gema. Eine zentrale Verwertungsstelle für den Mainstream ist schlicht und einfach praktisch für alle Beteiligten. Aber auch an der alten Weisheit "Konkurrenz belebt das Geschäft" ist durchaus etwas dran. Warum sollten junge Künstler nicht zunächst über den Weg der Selbstvermarktung, bzw. alternativen Verwertungsansätzen wie Jamendo Fuß fassen und sich erst später in die lange Reihe der Gema-Künstler einreihen. 
So, das war mein persönliches Plädoyer für den Einsatz freier Musik im kommerziellen Bereich.  Weitere Infos zu Creative Commons findet ihr auch in meinem Artikel:
Legale Quellen für kostenfreie Bilder, Musik, Videos




Update 30.12.2012
Mittlerweile wird mit der C3S - Cultural Commons Collecting Society eine echte Alternative zur Gema als Verwertungsgesellschaft gegründet, die zusätzlich zum CC-Konzept noch einige zusätzliche Vorteile bietet. Das Thema bleibt also spannend...


Bildquellenangabe © :Justin Norton (jnorton) / flickr.com / cc-by,  Bearbeitung: Walid Chaar / www-blogger.de
Gerd Altmann  / pixelio.de
Lupo  / pixelio.de


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen